„Junge Eltern entfremden sich immer mehr von Kirche und Glauben.“

(Pfarrer Hans-Rolf Funken)

 

 

 Unser Besinnungsraum

 

Aus der Werbung wissen wir, dass Raum der wahre Luxus ist. Der größte französische Automobilproduzent hat uns dies in einer zu Jahresanfang über Wochen in großen Zeitungen geschalteten ganzseitigen Anzeige wissen lassen. Er wirbt damit für sein Familienauto, das übersetzt den schlichten Namen "Raum" oder "Platz" trägt.

 

 Mit unserem (Besinnungs)Raum legen wir den Grundstein für ein religionspädagogisches Konzept für Besinnungsräume in einer katholischen Kindertagesstätte im Bistum Aachen.  Die religiösen und pädagogischen Inhalte und Ziele und deren Qualitätssicherung werden klar formuliert.  

 „Laßt die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht. Denn gerade für sie steht Gottes neue Welt offen. Täuscht euch nicht: Wer sich der Liebe Gottes nicht wie ein Kind öffnet, wird sie niemals erfahren.“ (Die Bibel)

 

Ein Funktionsraum für Gebet und Meditation unterscheidet sich schon von anderen Funktionsräumen insofern, dass die religiöse Dimension einer ganzheitlichen Pädagogik sich nicht auf Sonderräume und –zeiten beschränkt. Darum kann es nicht um ein entweder oder gehen, sondern um ein sowohl als auch. Es geht einerseits darum, den alltäglichen Funktionsraum auch religiös zu gestalten, sowohl mit festen (z.B. Kreuz, Osterkerze, Marienstatue, Kirchenjahresuhr…) als auch mit wechselnden, z.B. am Kirchenjahr entlehnten Symbolen.

 

 „Andererseits wäre es gut, einen besonderen Raum (Gottes) in der Einrichtung zu haben, in dem religiöse Gedanken angeregt, vertieft und verdichtet werden.“ (René Deitert)

  

Dieser Raum soll aber auch als Versammlungsraum für Runde und geführte Angebote sein, sowie in die Alltagsstruktur der Kita involviert sein.

  

Alle Materialien sollten für im Kindergarten einsetzbar und auch bespielbar für Kinder sein. Die Kinder sollen im Besinnungsraum Dinge aus der Kirche wiederfinden, sowie Gegenstände, die sie in einen religiösen Bezug setzen und sich damit und mit sich selbst auseinandersetzen und sich selbständig Themen erarbeiten können, darüber mit der Erzieherin und anderen Kinder ins Gespräch kommen können etc.

 „Kinder lernen Religion nicht hauptsächlich als Lehre, sondern als eine Art Heimatgefühl, das sie mit bestimmten Zeiten und Rhythmen, mit Orten und mit Ritualen verbinden. Kinder lernen Religion also von außen nach innen…Meine erste Empfehlung für die frühe religiöse Erziehung von Kindern ist also: 

Baut Kindern eine aus Orten, Zeiten und Gesten bezeichnete Welt; diese bezeichnete Welt wird sie die ersten Wichtigkeiten lehren.“

(Fulbert Steffensky 1998)

 

Was sollte in dem Raum geschehen: Andacht, Stille, Gottesdienst, in dem Bodenbilder liegen bleiben können und immer wieder betrachtet werden können und spielerische Auseinandersetzung mit religiösen Themen (z.B. Kett oder Goldly-Play). Wichtig ist aber vor allem, dass es feste Regeln für diesen Raum gibt und dass sie den Kindern vertraut sind und dass ein oder besser zwei Erzieherinnen gibt, die für den Raum verantwortlich sind. Zu überlegen ist auch, welche Rolle der Kirchraum hinsichtlich des besonderen Raumes hat und wie die Kirche den Kindern vertraut gemacht werden kann und in die konzeptionellen Überlegungen mit einbezogen werden kann.

Wichtig ist, dass dieser Raum nicht nur zu den besonderen Zeiten offensteht, sondern wie alle Räume in Alltag integriert ist, eben mit seiner besonderen Funktion der Besinnungsmöglichkeit, die die Kinder auf ihre Weise, unterstützt durch die Gestaltung und die Elemente des Raumes nutzen können.

 

"Die Ideen der Elemente, gerade die wechselnden Symbole während des Kirchenjahres finde ich sehr wichtig. Außer Ostereier und Adventskranz erleben die Kinder in den Familien doch immer weniger, dass das Kirchenjahr auch zu Hause präsent ist. So kann man in einem Besinnungsraum das ganze Jahr mit unterschiedlichen Materialien begleiten und die Feste den Kindern noch mehr zum Erlebnis werden lassen."

(René Deitert) 

© Kita Clara Fey Stolberg